Medienspagat

…die Zeit ist reif für so vieles, jedoch fragt man sich, was genau die Synergieeffekte aus dem zusammenwachsen der Medien sind und wie sich einzelne Medien mit Ihrem Profil überhaupt noch abgrenzen können.

Vielmehr sind bewusst gesteuerte Verwirrungstaktiken eine gern genutzte Marketingstrategie, um den Verbraucher absichtlich von einem für ihn wichtigen Überblick von Markt und Produkt fern zu halten. Man erhofft sich durch die entstehende Frustration beim Verbraucher einen besseren Produktabsatz, der mit Hilfe von wohlklingenden – meist englischen und nichts sagenden – Begriffserklärungen unterstützt werden soll. Die Rechnung macht man bekanntlich nicht ohne den Wirt. Den fehlenden Überblick quittiert der Verbraucher über seinen einzigen verbliebenen Hebel, den Preis.

Auch die Fernsehanstalten, vor allem die Privaten, diskutieren derzeit über eine Verschlüsselung Ihrer Programme und erhoffen sich durch ein selbst erschaffenes Pay-TV Mehreinnahmen. Der Verbraucher wäre hierbei gezwungen, sich schon wieder neue Entschlüsselungsdecoder zuzulegen. Aber auch Internet-TV (IPTV[1]) wird bereits groß angekündigt. Über 100 Fernsehkanäle sollen ab nächstem Jahr mit überwiegenden Bezahlangeboten á la Pay-TV für Umsatzmehreinnahmen sorgen. So mancher Kommentar lässt bereits im Vorfeld erahnen, dass die Verschlüsselungsstrategien der Privaten in der angekündigten Form wohl nicht aufgehen werden. Gebühren- und Werbegegner sprechen bereits von einem Aufatmen über das Verschwinden von unerträglichen TV-Programmen mit seichten Programminhalten (Spam-TV). Ihre Lösung liegt im Ignorieren weiterer Gebühren. Sie investieren Ihr Geld lieber in werbefreie TV- und Spielfilme auf DVD.

Wir befinden uns in einer Kulturrevolution, an deren Ende die totale Individualisierung stehen wird. Dabei müssen sich die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten bereits heute ernsthaft darüber Gedanken machen, ob sie ihrem gebührenfinanzierten Auftrag der Grundversorgung noch gerecht werden. Am Ende könnte sogar die Auflösung, mindestens aber ein radikaler Strukturumbau dieser Anstalten hin zu mehr Kundennutzen stehen.

Die GEZ hingegen will ab 2007 alle Computer mit einer Gebühr belegen. Dieses Vorgehen verstößt sicherlich gegen den Gleichheitsgrundsatz. Ein Fernsehgerät wird eben zum Fernsehen benutzt, ein Computer allerdings wird überwiegend zum Schreiben und vielen anderen Anwendungen eingesetzt. Der TV-Empfang ist derzeit kein dominierendes Feld. Zumal die Mehrzahl der Fernsehsender Ihr Programm weder flächendeckend noch dauerhaft im Internet bereitstellen.

Da deutsche Institutionen, aber auch unsere Regierungen ideenreich und kreativ werden, wenn es um das Abkassieren beim Bürger geht, hat auch die Verwertungsgesellschaft GEMA gleich alle Webradios und Anbieter mit digitalen Musikinhalten mit eklatant überhöhten Gebühren belastet. Sollte die GEMA sich in diesem Streit durchsetzten können, werden die meisten Webradios und Contentanbieter wieder von der Bildfläche – oder besser gesagt vom Bildschirm – verschwinden. Der GEMA könnte dann der „Kulturkiller“-Orden des Jahrtausends verliehen werden.

Die Entwicklungen im Bereich E-Commerce laufen entgegen aller Unkenrufe konstant und erfolgreich, nicht zuletzt auch angetrieben von immer noch steigenden Marktpotentialen in der Breitbandvermarktung. Bereits jeder zweite Deutsche hat einen Internetzugang, Tendenz steigend. Und E-Commerce heißt Distanzhandel par excellence. Höchste Transparenz erlaubt dem Verbraucher einen sofortigen preislichen und produktbezogenen Überblick. Nirgends ist die Preis- / Leistungstransparenz so hoch und der Vergleich so einfach und schnell zu vollziehen, wie im Internet. An dieser Stelle kann man tatsächlich mit Fug und Recht behaupten, dass hier etwas global boomt. (sb)

(Anmerkung des Autors: Der Plural von Spagat ist “Spagate” und nicht Spaghetti 😉 )


[1] IPTV: Internet Protokoll Television; digitale Übertragung von TV-Programmen und Filmen (für HDTV) über das aus dem Internet zugrunde liegende Internet Protokoll (IP) und Betrachten am Fernsehbildschirm; im Gegensatz zu Internet-TV: das Abspielen von Videostreams aus dem Internet und Betrachten am Computerbildschirm. Basis sind Triple-Play-Angebote bestehend aus der Kombination von Internetfernsehen und Sprachkommunikation über neue, noch schnellere DSL-Verbindungen VDSL (very high speed DSL)

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